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Psalm 36 meditieren

Wolfgang und ich sind gestern nach Aeschiried bei Spiez gefahren. Hier kam es gestern nach einer langen Frülingsphase wieder zum Wintereinbruch. Es schneit. Wir haben das Auto in Aeschi stehen lassen und wurden abgeholt. Man kommt zur Zeit nur mit Allrad-Antrieb den Weg zum Hotel hoch. Der Schnee liegt dicht, es schneit immer noch leicht, der Himmel ist weiss verhangen.

Wir sind 24 Personen und haben das Hotel für uns alleine bekommen. Das ist schon ziemlich besonders. Wolfgang hat am Abend in Psalm 36 eingeführt. Vers 2-5 stellt das Böse dar. Vers 6-10 stellt die Güte Gottes dar. Und ‹nur› die Verse 11 und 12 sind ein Gebet, hier: eine Bitte an Gott.

Wolfgang fragt, warum das Böse so ungeschönt vorangestellt und beschrieben wird. Warum ist es für den Glauben wichtig, die Realität des Bösen nicht zu verharmlosen und nicht falsch einzuschätzen? Es bleibt für heute bei dieser Frage, sie wird erst später beantwortet werden. Wir steigen ein mit dem Blick auf die Güte Gottes. Wolfgang meint, dass die meisten von uns die Güte Gottes wohl denken und glauben können. Ist die Güte Gottes auch eine Wirklichkeit für uns? Wirklichkeit erschliesst sich nicht [zuerst] über das Denken, sondern durch Wahrnehmung.

Der hebräische Begriff für ‹Güte› ist ein Beziehungsbegriff. Er meint die Zusage von unbedingter Loyalität. Wo Gott seinem Volk Güte zuspricht, spricht er seinem Volk seine unbedingte Loyalität zu. … Solche Güte ist nichts, was noch erfragt oder erbeten werden muss von Gott. Wer mit Gott unterwegs ist, dem ist solche Güte bereits zugesagt. Die Güte bzw. Loyalität Gottes werden dem Psalmbeter bzw. den glaubenden Menschen bereits zuteil. Sie werden ihm zum inneren und äusseren Lebensraum.


«HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.» (Psalm 36,6) In der Vorstellungsrunde haben wir eingeladen, dass jeder sagt, wo er oder sie eine Erfahrung von Weite gemacht hat. Das war sehr berührend: In sich selbst Weite zu erleben. In der Begegnung mit einem bestimmten Menschen Weite zu erleben. An einem geografischen Ort einen Blick in die Weite zu haben. … Vielleicht ist das eine Einladung für euch und Sie als Leserinnen der Homepage: Wo habe ich eine Erfahrung von Weite gemacht?