Donnerstag, 1. August 2024
Heute ist mein dritter Tag in Berlin. Es ist so heiss, dass ich gestern im Sommerbad am Olympiastadion war. Es war sehr gut besucht – seeeehr voll – und es braucht einiges an Selbstbewusstsein, sich in die Bahnen der Streckenschwimmerinnen einzureihen, auf engem Raum zu überholen und sich überholen zu lassen. Beeindruckend sind die jungen Leute am Sprungturm, von denen einige vom 10m Turm aus mit Rückwärts-Salti ins Wasser springen. Es ist nicht schwer – ich bin als Jugendliche auch viel gesprungen – braucht aber Selbstdisziplin.
Neben den normalen Bademeistern (in rot gekleidet und fast alle männlich) gibt es Aufsichtspersonal (in schwarz gekleidet und überwiegend türkisch), die ein ‹We watch› Logo auf der Brust haben. Das scheint gut zu klappen, denn die Stimmung im Bad ist gut, obwohl es – wie gesagt – voll ist. Am Drehkreuz am Eingang zum Bad musste ich übrigens wie jeder andere meine Tasche öffnen (keine Messer, keine Glasflaschen?) und meinen Ausweis zeigen.
Es ist das Bad, das für die Olympischen Spiele 1936 gebaut wurde. Für mich hat diese Umgebung etwas Berührendes: Der historische Ort ist noch so ‹anwesend›; sicher auch, weil die Stadt Berlin kein Geld hat, um ‹neu zu bauen›. Die historischen Zuschauertribünen am Schwimmbad sind einfach nur abgedeckt, damit sie nicht weiter verfallen.
Ich habe mich mit der Schriftstellerin Sara Klatt getroffen, die im April nächsten Jahres zu uns nach Liestal kommt – eine ausgesprochen schöne Begegnung. Heute treffe ich mich mit Dr. Heidrun Kaletsch. Wir werden im Februar 2025 eine gemeinsame Vortragsreihe in Liestal anbieten: «Loslassen – gut sein lassen – frei werden: Impulse und Gespräche in biblischer und therapeutischer Perspektive». Da geht es (mein Beitrag) um das, WAS JESUS VOM VERGEBEN SAGT. Ich werde mit den Teilnehmerinnen das Kapitel 18 im Matthäusevangelium betrachten.
Heidrun Kaletsch spricht über SCHULDIG WERDEN IN BEZIEHUNGEN: In der Praxis ist sie häufig mit dem Problem der Vergebung in Beziehungen konfrontiert («Ich kann meinem Partner/meiner Partnerin nicht vergeben»… oder: «Ohne eine Entschuldigung von X kann ich nicht weitermachen, ich verlange eine Entschuldigung». Heidrun: Interessanterweise hilft die Entschuldigung, selbst wenn sie kommt, nur wenig. Der andere reagiert mit: «Das sagst du nur so».
An einem weiteren Abend richten wir den Blick auf SELBSTVORWÜRFE: Da macht sich jemand Vorwürfe, hadert mit sich selbst und hängt fest an einer Schuld, einem Versäumnis, einer verpassten Gelegenheit. Hier beginnt die Arbeit des Loslassens. Darüber spricht Heidrun Kaletsch mit uns mit einigen Beispielen aus der Praxis. … Merkt euch schon einmal die Woche 7 vor (11.-14. Februar 2025)
Ich war gestern erst im Museum für Fotografie, direkt am Bahnhof Zoo, eigentlich wegen der Ausstellung ‹Berlin revisited›. Ich dachte, dass ich Bilder vom Berlin meiner Kindheit (70 Jahre) und Bilder derselben Orte (2020-2024) sehe. Für mich hatten die Bilder von Renate von Mangoldt überwiegend keinen biografischen Bezug, weil es (für mich) irgendwelche Strassenecken in irgendwelchen Bezirken waren. Und ich habe auch keine ‹Idee› darin gesehen.
Mehr berührt hat mich die Ausstellung mit Fotografien von Helmut Newton. Das Haus beherbergt eine ständige Ausstellung mit dem Newton-Nachlass und bis November 2024 eine Sonderausstellung ‹Berlin, Berlin› über den Heimatbezug des Fotografen. Für mich sind die Bilder vor allem Zeitgeschichte. Oft sind Frauen in Szene gesetzt, oft nackt oder in Unterwäsche, und wenn Männer mit im Bild sind, sind diese vollständig bekleidet. Eine befremdliche Zuordnung von Männern und Frauen, zumal die Frauen in ihrer Nacktheit als selbstbestimmt inszeniert werden (direkter Blick, perfekt geformte Körper, sorgfältig in Szene gesetzte Behaarung). Und gleichzeitig definiert sich die Frau durch die Anwesenheit des betrachtenden Mannes – bzw. oft: der sie betrachtenden Männer. … Ich frage mich, wie es kommt, dass dieses Museum in dermassen exponierter Lage heute noch überlebt.
Gleich danach – es war eine Frage meiner Zeit – war ich in der Frans Hals Ausstellung in der Gemäldegalerie am Potsdamer Platz. Der Bequemlichkeit halber mit Audio-Guide. Das lohnt sich: eine gute Einführung in die Zeitgeschichte des 17. Jahrhunders in den Niederlanden, in das Leben der – wie Frans Hals vor den spanischen Eroberern nach Haarlem – gezogenen reformierten Bürgerinnen und Bürger. Porträts und Genredarstellungen sind lebendig, drücken das Ich-Bewusstsein der Dargestellten aus, es macht Spass, sie anzusehen. Die Ausstellung war auch sehr gut besucht.